WALLBURG HEINEBERG

Auf der Hochfläche des Heinebergs befand sich im frühen Mittelalter eine großflächige Wallburg, die durch drei hintereinander liegende Erdmauern geschützt war, die später zu Wällen verstürzt sind. Auf der vorderen Spitze des Berges stand bis in das 16. Jahrhundert eine Kirche, die völlig verschwunden ist.

Den nach drei Seiten steil abfallenden Bergrücken überziehen drei parallel verlaufende Erdwälle, die das Gelände gegen die gefährdete Angriffsseite im Osten abschirmen. Der gut erhaltene äußere Wall verläuft dicht hinter dem Waldrand quer über den Bergrücken. Außen vorgelagert war als zusätzliches Annäherungshindernis ein tiefer Graben, der direkt vor dem Wall noch als flache Längsmulde erkennbar ist. Der heutige Wegedurchbruch ist modern. Die alte Zufahrt befand sich vermutlich am südlichen Ende des Walles neben dem Steilhang. Im Abstand von jeweils etwa 60 m liegen im Offenland ein mittlerer und innerer Wall. Sie sind durch früheren Ackerbau verschleift und nur noch als breite, flache Bodenwellen erkennbar. Vorgelagerte Gräben zeichnen sich hier nicht mehr ab.

Erst 1973 wurde diese Befestigungsanlage durch Mitglieder des Heimatvereins Heinebach e. V. entdeckt und bekannt gemacht. Eine 1974 durchgeführte fachliche Ausgrabung ergab, dass der mittlere und innere Wall ehemals freistehende, aus Holz, Steinen und Erde errichtete Mauern von vermutlich etwa 3 – 4 m Breite und 4 – 5 m Höhe waren. Die genaue Konstruktion konnte nicht festgestellt werden. Vor der mittleren Befestigungsmauer verlief ein etwa 7 m breiter und über 2 m tiefer Graben, vor der inneren Mauer ein Doppelgraben. Auch der äußere, noch nicht näher untersuchte Wall dürfte ehemals eine sog. Holz-Stein-Erde-Mauer gewesen sein.

Die Erbauung der Wallburg kann in der karolingisch-ottonischen Zeit zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert angenommen werden, ihr Ende im 10. Jahrhundert, worauf C-14-Daten von Holzresten auf der Sohle der Gräben verweisen, die bei der Ausgrabung gefunden wurden. Zahlreiche Funde, vor allem Keramikscherben, stammen aus dem 9./10. bis 15. Jahrhundert, die ältesten also aus der Nutzungszeit der Wallburg. Diese war demnach keine Fluchtburg, sondern ständig bewohnt. Im Innern werden Holzhäuser vermutet.

Auf der vorderen Spitze des Berges stand eine Kirche. Die Ausgrabung 1974 ergab, dass sich an derselben Stelle nacheinander zwei Kirchenbauten befanden, beide mit halbrundem Chor an der Ostseite. Geringe Spuren könnten von einer ältesten dritten Kirche stammen. Bei der Ausgrabung fand sich auch ein Bruchstück einer Steinplatte mit Teil einer Inschrift, die in das 10. oder die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts datiert wird. Dadurch ergibt sich, dass eine Kirche spätestens in dieser Zeit bestand oder, falls die Inschrift eine Bauinschrift war, neu errichtet wurde. Wann die erste Kirche gegründet wurde, ist unbekannt, vielleicht schon im Frühmittelalter innerhalb der bestehenden Wallburg. Sie könnte sogar älter als diese gewesen sein, die Wallburg also zu ihrem Schutz gebaut worden sein. Um die Kirche lag ein Friedhof, von dem Bestattungen gefunden wurden. Die Kirche war demnach eine Pfarrkirche.

Spätestens 1469 gab es auch im Dorf Heinebach eine Kirche. Sie wurde vielleicht erst im 14. Jahrhundert gebaut und mit einer Wehrkirchhofsmauer umgeben, weil die Dorfbewohner in dieser Zeit einen schnell erreichbaren Schutzraum benötigten. Somit könnten die als erste 1229 und 1266 genannten Pfarrer von Heinebach noch an der Pfarrkirche auf dem Heineberg gestanden und auch auf dem Berg gewohnt haben. Nach dem Neubau einer Kirche im Dorf wurde die alte Kirche auf dem Heineberg nur noch als Kapelle genutzt.

Sie wird noch um 1517 genannt, war damals dem Heiligen Kreuz geweiht und diente als Wallfahrtskapelle. Vermutlich stand sie damals nur noch allein auf dem Berg, bestenfalls noch mit einer Klause, die auch als Schänke diente. So wusste man noch 1949 zu erzählen, dass auf dem Heineberg außer einer Kirche auch ein Gasthaus gestanden habe, was durchaus richtig gewesen sein kann. Die vielen jüngeren Funde, die bis in das 15. Jahrhundert reichen, können damit zusammenhängen.

Wenig später wird die Kapelle im Zuge der Reformation aufgegeben und abgebrochen worden sein. Heute ist an ihrer Stelle oberirdisch nichts mehr zu sehen.

Die Hochfläche des Heinebergs ist ein geschütztes Bodendenkmal.

Dr. Klaus Sippel, 2023