ALHEIM IM DREIßIGJÄHRIGEN KRIEG (1618 - 1648)

Katastrophen durch Hochwasser und Brand, Seuchen und merkwürdige Erscheinungen wurden vom abergläubischen Volke jahrhundertelang als drohende Zeichen eines Krieges oder Tod eines Fürsten betrachtet.

„Anno 1618 im Januario Stunden ist die Fulda zwischen Rotenburg und Melsungen auch etzlieche Stunden außen blieben. Darauf Landgraf Rotenburg Georgens selige Wittibe zu Darmstadt tödlich abgegangen. Anno 1630 und 1670 geschah es wieder. Daraufhin starb Wilhelm VI. im Hohen Hospital zu Haina und sein Sohn Wilhelm VII. in Paris in Frankreich.“

Bis 1623 konnte Hessen noch aus dem großen Krieg herausgehalten werden. Als Landgraf Moritz der Gelehrte 1623 die selbstgewählte Neutralität verletzte, rückte der kaiserliche Oberbefehlshaber Graf Tilly im Fuldatal ein. Eine wüste Horde löste von nun an die nächste ab. Auch die Pest brach aus. So sank die Einwohnerzahl der Dörfer. In unserer Gegend sah es um 1630 traurig aus. Die Felder lagen brach, Menschen flohen immer wieder in die Wälder und das Ende des Wein- und Hopfenanbaus war gekommen.

Mit dem Gründonnerstag 1637 brach das schlimmste Kriegsjahr für Hessen ein – das Kroatenjahr. Durch Heinebach setzten sich die eigenen Truppen unter Graf Geiso ab. Er musste Isolanis Soldaten ins untere Fuldatal ausweichen. Die Kroaten brachen herein. Heinebach trifft es besonders hart – von vormals 73 Häusern stehen 1638 nur noch 18. In Obergude brennt die Kirche nieder und die Kroaten hausen im Pfarrhaus. Von weiteren Zerstörungen bleiben Ober- und Niedergude jedoch verschont. Über Baumbach heißt es, dass 1639 noch nicht einmal 1/3 der Vorkriegsbevölkerung übrig war. So heißt es in einem Bericht der Landstädte:

„… daß die Kroaten fast alles, was in ihre Gewalt gekommen, niedergehauen, den Leuten die Zungen, Nasen und Ohren abgeschnitten, hieß Pech, Zinn, Blei und allerhand Unflat durch die Ohren, Nase, Mund in den Leib gegossen, etliche durch allerlei Instrumente schmerzlich gemartert, viele mit Stricken aneinander gekuppelt, ins offene freie Feld in eine Reihe gestellt und mit der Büchse als Zielscheibe auf sie geschossen, dem Weibsvolk ohne Unterschied des Alters (Arges angetan!)…, in die Kinder gefallen, sie gesäbelt, gespießt und in Backöfen gebraten, die Kirchen und Schulen zu Kloaken gemacht …“.

 

In Aufzeichnungen zu Oberellenbach aus dem Jahr 1716 steht geschrieben:

„Anno 1638 sind wir durch Tyvoll und Island ganz verderbet, ein Haus und Scheuer uns eingeäschert, und was der Feind nicht geraubet, von Schloßen auf dem Feld verderbet worden, tut der Pacht das Korn 3 Rt, Hafer 1 ½ Rt neben der Trift“

Insgesamt wurden in Hessen-Kassel 1637 durch die Kroaten 18 Städte, 100 Dörfer und 47 Burgsitze völlig oder teilweise niedergebrannt. Als der Kriegsbrand nach fast 3 Jahrzehnten langsam am Verglühen war, flammte er in unserer Heimat nocheinmal auf. Es kam zum Bruderkrieg zwischen Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt. Im Herbst 1647 brach Malender, Reichsgraf Holzapfel aus Nassau, in Niederhessen ein. Die Truppen Malenders hausten furchtbar in unserer Gegend.